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PRESSESTIMMEN
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...war der Auftritt von Hans-Jürgen Lenhart purer Genuss. Wenn der Sprachpoet auf der Bühne steht,
zerfließen die Grenzen zwischen Sprechpoesie, Wortakrobatik, Kabarett, Sprachexperiment und Sprachkunst
zu einem unterhaltsamen Vortrag mit Hintersinn.
FRANKFURTER RUNDSCHAU

"Wenn Lenhart Worte aus dem Zusammenhang reißt, geht tatsächlich eine Manuskriptseite in Fetzen
...nichts ist hier schwer verdaulich..."
HILDESHEIMER ALLGEMEINE ZEITUNG

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Ein schweißgebadeter Sprach-Alchimist 

Hans-Jürgen Lenhart begeisterte mit Sprachakrobatik und Sprachmusik im „Patat"-Keller

M i c h e l s t a d t . Bei erfahrenen Kulturfreaks läuten immer die Alarmglocken, wenn die Ankündigung für eine Veranstaltung mit vollmundigen Versprechungen daherkommt. Grund genug für ein ganzes „Glockenspiel", als der Auftritt des Frankfurter Autors Hans-Jürgen Lenhart am Wochenende in Michelstadt werbetechnisch hochgestylt wurde. „Phantasievolle Alchimie der Sprache", „Lauschangriffe auf die Sprache" und eine „panisch-poetische Performance" wurden da tollkühn versprochen. Aber: Ausnahmen bestätigen eben immer wieder mal die Regel. Alle Ankündigungen konnte der 44-jährige hessische Sprachartist ohne Einschränkungen einlösen!

Dass der Abend zu einem rundum erfreulichen Erlebnis wurde, lag sicher auch an der Spielstätte, dem „Patat"-Gewölbekeller. Im dritten Jahr ihres Bestehens hat sich diese Kleinkunstbühne zu einem wahren Juwel der gepflegten Unterhaltung und Gastlichkeit entwickelt. Inzwischen zählt der Verein etwa 700 Mitglieder, seit wenigen Wochen kann der Vorsitzende, Dr. Lothar Mertens, auch voller Stolz die neue Küche vorzeigen, in der Frauen und Männer ehrenamtlich kleine Köstlichkeiten zubereiten. Die Räume mit dem eindrucksvollen Gewölbe würden jedem Prager und Budapester Jazzkeller alle Ehre machen und boten am Wochenende den etwa 100 Besuchern ein stimmungsvolles Ambiente. Und was sich auf dem „Spielfeld" zum „Anpfiff" der neuen Kultursaison in Michelstadt tat, stellte zumindest die jüngsten Auftritte der deutschen Fußballnationalmannschaft weit in den Schatten. Hans-Jürgen Lenhart bewies, dass Sprache nicht trocken sein muss, dass Wörter ein ganzes Orchester ersetzen und eine Vielfalt unterschiedlicher Melodien und „Musikrichtungen" hervorzaubern können. Ein zentrales Mittel: Das Wortspiel. Da versichert der Dichter, er halte den „ersten Satz seines Programms immer in Allegro", nutzt dann aber seine stimmliche Variationskraft gnadenlos aus, um mit extremer Lautstärke die scheinbar gemütliche Erzählung von seinem Studierzimmer szenisch auszugestalten: Beim „Ich schreite in meiner Stube" reißt das gebrüllte „schrei-„ auch den letzten Schläfer – wenn es den denn im Publikum geben sollte – aus seiner Trance.

Eine zweite Methode: Das Wörtlichnehmen von Ausdrücken und Formulierungen. Da „speist" Lenhart die Zuschauer tatsächlich „mit Wörtern ab", dreht im wahrsten Sinn des Wortes allen „die Worte im Mund herum", und macht so deutlich, dass längst eingeschliffene Redewendungen einen ganz handfesten, ganz unmittelbaren Sinn enthalten. Natürlich lebt kein Sprachkünstler im luftleeren Raum. Natürlich stützt sich auch der Frankfurter Autor auf Vorbilder, nutzt Pfade, die von Könnern in der Vergangenheit ausgetreten wurden. Sicherlich ist einer seiner „Vorväter" Ernst Jandl. Das Spiel mit Vokalen, das „A-Festival", im „Am Anfang war a Mann" und im Text vom „Zahnarzt", der „nackt am Altar stand", erinnerte stark an Jandls „Ottos Mops", wirkte aber nie wie eine Kopie, enthielt immer neue und phantasievolle Aspekte. Ebenfalls unverkennbar: Lenharts Anklänge an das berühmte und traditionsreiche „Starckdeutsch", die Umgestaltung von Substantiven in „starke" Verben und das Verwenden von Neuschöpfungen. „Da lüstelt’s balz am Rock" und „mir ringelnatzt’s im Schnalz" sind zwei Beispiele von vielen.

Die Spannbreite seiner Ausdrucksmöglichkeiten war riesig, sie reichte von der gestisch-mimischen Ausgestaltung der „Bla-Bla-Rede" eines Politkers über die Computer-Parodie mit „zehnmal mehr RAM und zehnmal mehr ROM", das lautmalerische Räuspern, die sprachspielerische Glanznummer des „Ziergang Spatz" bis hin zur durchaus tiefgründigen Entlarvung eines „Großkotz": „Ich bin grundsätzlich zwei Anzüge, ich habe grundsätzlich zwei Anwälte, ich habe eine angenehme Rasegeschwindigkeit." Sprichwörter werden geschickt entlarvt, wenn von den vielen Köchen die Rede ist, die „Verderben verbreiten" und es heißt: „Ein verdorbener Koch sitzt bis zum Bauch im Brei." Erkennbar blieb stets auch das schauspielerische Potential des Autors, beispielsweise als er die Requisite des „Klammersacks" dazu nutzte, von der Prinzessin zu erzählen, die „den Prinzen sucht, der sich nicht gleich nach dem ersten Kuss in einen Frosch verwandelt."

Besonders wichtig für die Wirkung des Programms aber war und blieb die Variationsfähigkeit von Lenharts wichtigstem „Musikinstrument", seiner Stimme. Schönstes Beispiel dafür: Der Text, der dem Programm den Namen gegeben hat –„Hörsturz". In einem wahren Feuerwerk der Interpretation zeichnete der Künstler hier nach, wie sich ein Hörschaden verschlimmert, wie nach und nach immer mehr Buchstaben verloren gehen und am Ende ein unverständliches Kauderwelsch übrig bleibt.

Zugegeben: Auf dem Papier lässt sich so ein Sprachfestival nur sehr unzureichend wiedergeben. Vielleicht helfen zwei Hinweise auf die Reaktion des Publikums, um zu zeigen, wie wirkungsvoll Hans-Jürgen Lenharts Auftritt in Michelstadt war. Da wirkte sein Esprit ganz offensichtlich ansteckend: Nach seiner „Urbi et Orbi"-Ansprache mit Wortspielen wie „Gymnasium delirium" und „Ora et pandora" jammerte ein Zuhörer in gespielter Verzweiflung: „Hier kommt man ja wohl auch nur mit dem Latrinum rein!" Und am Ende folgten die 100 Zuhörer nicht nur den Aufforderungen, rasenden Beifall zu spenden und begeistert mit den Füßen zu trampeln, sie kamen auch Lenharts letzter Aufforderung folgsam nach: „Man verlässt unauffällig den Raum, aber bitte in alphabetischer Reihenfolge, die sie bitte untereinander ausmachen wollen!" Ein letzter Blick auf den schweißüberströmten Autor bewies schließlich nach anderthalb Stunden, dass Karl Valentin recht hatte, als er formulierte: „Kunst macht Spaß, sie macht aber auch viel Arbeit!"

Dr. Heinz Linduschka
Odenwälder Zeitung 5.9.1998

 

 

Kennedys Uhr tickt im Bierkolleg

Nied. Einen äußerst vergnüglichen Abend verbrachten die Gäste der Reihe «Literatur im Bierkolleg» am Freitag im Hinterstübchen der Gaststätte Waldlust. Dort trug Buchautor und Kleinkünstler Hans-Jürgen Lenhart allerlei Geschichten über die Ermordung des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy vor, von denen er gar nicht erst behauptet, sie seien wahr.

Aus immer neuen Blickwinkeln erzählte er die hinlänglich bekannte Geschichte, um die herum sich so viele Theorien und Mythen ranken, dass selbst ausgewiesene Kenner der Materie die Waffen strecken müssen. Einzeltäter oder Verschwörung? Mehr interessierte Lenhart, der vor vielen Jahren an der Höchster Literaturwerkstatt von Berthold Dirnfellner, der das literarische Bierkolleg organisiert, teilnahm, wie ein schimmernder Mistkäfer das Attentat erlebt hat.

Abwegig, bizarr, unglaublich? Nicht mehr und nicht weniger als die Realität selbst. Seit dem tödlichen Anschlag von 1963 ist Kennedys Gehirn verschollen, sowie andere Beweismittel. Dafür konnte Lenhart die Armbanduhr des Präsidenten vorzeigen, die er «für sehr viel Geld» erstanden hatte. Überhaupt war Lenhart immer ganz nah dran, zwar nicht unbedingt an der Wahrheit, aber am Präsidenten. Etwa als dieser im Juni 1963 in Hanau war und dem damals achtjährigen Hans-Jürgen in die Augen blickte, bevor er ihm zuwinkte.

Musikalisch unterstützt wurde Lenhart bei der Vorstellung seines Buches «Kennedy lebt! Die Unwahrheit über den Mord an John F. Kennedy» von Jürgen Weiß, der wahlweise in Rollen wie die des texanischen Gouverneurs oder des Therapeuten eines als Jackie Kennedy Wiedergeborenen schlüpfte.

Lenhart nimmt die Verschwörungstheoretiker aufs Korn und all jene, die das glauben, was ihnen andere als Wahrheit präsentieren. öp

28.04.2009


© 2009 Frankfurter Neue Presse

 

 


Zu "Kennedy lebt!"

 

Doch die Art, wie Lenhart – er bezeichnet sich selbst als „Sprachakrobat für literarische Querdenker“ – die „harten Fakten“ aufbereitet, Fenster sprechen, einen Skarabäus krabbeln und den Zapruder-Film auseinanderbröseln lässt, ist selbst schon wieder Kunst.

Gelnhausener Neue Zeitung 12.4.2011

Immer spielt der Autor auf humorvoll mit Elementen der Ermittlungen. Letztlich stellt er damit auch die Verschwörungstheoretiker selbst in Frage, die sich weniger dafür interessieren, dass hier ein Mensch ums Leben kam, als dass ihre Versionen meist fragwürdigen Interessen dienen.

Hanauer Anzeiger 27.4.2010

Menschen mit einer Vorliebe für Schräges und Schwarzes erwartet eine höchst vergnügliche Lektüre.

Hanauer Anzeiger 26.3.2009

 

 

 

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